Donnerstag, 23. Februar 2012

(Filme) ANGEL HEART

OT: Angel Heart
USA 1986 - 109 Min. - 1,85:1 - Alan Parker

"Es gibt Religionen, die halten das Ei für ein Symbol der Seele."

Niemals zuvor hat die Welt ein bitterböseres Film-Ende erlebt als in Angel Heart - und auch bisher nicht danach. Alan Parkers Mischung aus Mystery und Thriller, zusammengesetzt aus Elementen des Film-Noir, des 40er-Jahre-Detektivfilms und des Okkult-Krimis, lässt den Zuschauer fast zwei Stunden in dem Irrglauben, dass Privatschnüffler und Antiheld Harry Angel die grausigen Geschehnisse, welche die Geschichte für ihn bereit hält, unbeschadet überstehen könnte, dass er doch noch diesen komplizierten Fall zu aller Zufriedenheit lösen, lässig noch schnell mit Zigarette im Mundwinkel einen lockeren Spruch absondern und friedlich seiner Wege ziehen wird. Na ja, ausgeführt hat er ihn dann tatsächlich, seinen Auftrag - von Lässigkeit, lockeren Sprüchen oder friedlichen Wegen bleibt allerdings nicht mehr viel übrig. Während ihn sein Auftraggeber und gleichermaßen Widersacher noch mit funkelnden Augen verhöhnt und sich als einziger Gewinner bei all den blutigen Ereignissen herausstellt, bleiben ihm zumindest noch eine sichere, unfassbare Wahrheit, nach der er so lange gesucht hat, und die Antwort auf die Frage, die alle Menschen täglich beschäftigt: Wohin gehen wir schließlich?

Schwere, harte Kost, soviel ist sicher. Das scheint aber auch schon das einzige zu sein, was in dieser Tour-de-force von einem Thriller gesichert ist. Auf nichts kann man sich wirklich verlassen, keine Information ist absolut glaubwürdig, keinem der Charaktere kann und sollte man uneingeschränktes Vertrauen schenken, und wer es dennoch tut, wird schließlich nur umso schockierter sein. All diese Ahnungen bestätigen sich dann am Ende auf grausige Art und Weise. Oh, dieses unfassbare Ende ... der Film ist das Ende! Es ist zwar in der Kultur-Geschichte des Spielfilms schon ein paar mal vorgekommen, dass man nach der letzten Szene das gesamte Werk noch einmal hat neu zusammensetzen und überdenken müssen, dass der Plot gar eine kühne Wendung um 180° gemacht hat. Aber nie ist dieses mit solch grauenhaft-präziser und unerbittlicher Konsequenz geschehen wie bei Alan Parkers »Angel Heart«. Man sollte sich der Geschichte möglichst wenig voreingenommen und unvorbereitet hingeben, denn was dem Zuschauer als die finale Auflösung geboten wird, ist garantiert das allerletzte, woran man vorher eventuell bei der eigenen Suche nach einer Erklärung der Geschehnisse gedacht hat.

Die heftige Sex-Szene zwischen Mickey Rourke und Lisa Bonet (welche sich dadurch auch endgültig vom Image des kleinen braven Cosby-Show-Mädchens verabschiedete) war in den USA sehr umstritten. Alan Parker musste erhebliche Schnitte daran in Kauf nehmen, um mit seinem Film von der MPAA nicht in die gleiche Altersfreigabe eingestuft zu werden, wie sie für Hardcore-Pornos üblich ist. Zweifelsohne handelt es sich um eine drastische Einstellung, wie sich die beiden Schauspieler nackt in ganzen Wellen von Blut wälzen, aber dabei haben die US-Zensoren mal wieder scheinheilige Prüderie vor kunstvolle Metaphern gestellt, denn selten war eine Sex-Szene für die Erklärung der Ereignisse und das Gesamtverständnis einer Filmhandlung so wichtig wie diese. Mit den blutig-phantasievollen Tötungsmethoden des geheimnisvollen Mörders hatten sie hingegen - wie es dort meistens der Fall ist - weniger Probleme. In Deutschland lief übrigens die unverstümmelte Version.

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