Freitag, 24. Februar 2012

(Filme) HARRY UND SALLY

OT: When Harry met Sally
USA 1989 - 90 Min. - 1,85:1 - Rob Reiner


"Männer und Frauen können keine Freunde sein - der Sex kommt ihnen immer wieder dazwischen."

Zu behaupten, Harry und Sally sei einfach nur eine nette Komödie mit teils seltsamen aber trotzdem sympathischen Charakteren, die sich gegenseitig witzige Gemeinheiten um die Ohren hauen, würde diesem großartigen Sammelsurium geschärfter, teils schmerzlich wahrhaftiger Bonmots und tragikomischer Lebenssituationen nicht gerecht.

Zwei Menschen versuchen nicht mehr (aber auch nicht weniger), als ihr Leben zu meistern - geprägt durch die Anonymität der Großstadt. Dass sie durch eben dieses Leben mental ... äh, geprägt sind, versteht sich von selbst - extreme Egozentriker und frisch geschiedene Neurotiker stehen in Rob Reiners Satire über Zwischenmenschliches reifer Singles an jeder Straßenecke. So wie Harry und Sally, die sich über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren immer wieder über den Weg laufen, sich trennen, Freunde werden, mehr als Freunde werden, sich erneut trennen, usw. - bis zum Happy-End, dass sich beide wirklich verdienen und hart erkämpfen müssen.

Und das tun sie mit so viel Esprit, (Wort-)Witz und Charme, wie man es vorher und leider auch danach nicht erleben durfte. Einfach wunderbar ist die Idee der Filmemacher, die Handlung wie beiläufig immer mal wieder mit kurzen Szenen zu unterbrechen, in denen alte Ehepaare berichten, wie sie sich vor Jahrzehnten kennen gelernt haben. Denn am Ende sind es Harry und Sally, inzwischen glücklich miteinander verheiratet, die auf dem gemütlichen Zweisitzer-Sofa hocken und von ihrer turbulenten Odyssee zueinander erzählen, und dabei haben sie mit ihren gerade mal gut 30 Jahren Lebenserfahrung weitaus mehr preiszugeben als die wesentlich älteren Eheleute vor ihnen. Billy Crystal ist göttlich als zynischer Schwarzmaler, in dem eigentlich ein verkappter Optimist steckt, dem es schlicht zu anstrengend ist, herauszukommen und einfach nur glücklich zu sein. Meg Ryan als dessen 180°-Gegenstück sichert sich mit ihrem in einem vollbesetzten Restaurant dem perplexen Harry vorgespielten Instant-Orgasmus einen Platz im Olymp der legendärsten Filmszenen aller Zeiten. Eine ältere Dame deutet hinterher auf die wieder friedlich grinsende Sally und gibt bei der Kellnerin eine Bestellung auf: "Ich will genau das, was sie hatte."

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