Samstag, 25. Februar 2012

(Filme) TIGER & DRAGON

OT: Wo Hu Cang Long / Crouching Tiger, Hidden Dragon
Hongkong/China/Taiwan 2000 - 115 Min. - 2,35:1
- Ang Lee

"All das, was wir anfassen können, ist nicht von Dauer."

Ein Kung-Fu-Film ... ah, ja. Aber bitte nicht zu hektisch mit allzu schnellen Vorurteilen! Wie kommt es, dass ein Martial-Arts-Film, wie er heutzutage korrekt nach zeitgenössischer Mundart genannt wird, bei der Oscar-Verleihung für das Filmjahr 2000 in Los Angeles, USA, nach insgesamt sage und schreibe zehn Nominierungen immerhin vier Trophäen ergattern kann (und das in den nicht gerade "kleinsten" Kategorien)? Dieses wiegt umso schwerer, führt man sich die Tatsachen vor Augen, dass an der Herstellung des Werkes so gut wie kein einziger Amerikaner beteiligt war und größtenteils an Original-Schauplätzen in Taiwan und China gefilmt wurde. Wie passt das also alles zusammen? Das muss dann ja wirklich ein ganz besonderer Film sein, um den es sich hier handelt, oder? Oh, ja!

Das für westliche Gemüter Befremdlichste an Filmen wie diesem sind mit Sicherheit die insbesondere bei den Kampfszenen offenbar nur noch rudimentär vorhandenen Regeln der Schwerkraft. Zugegeben, die Inszenierung der Action-Sequenzen ist gewöhnungsbedürftig. Nur wer "Eastern" noch nie leiden konnte und absolute Realitätsnähe von einem Film erwartet, der wird von Tiger & Dragon wahrscheinlich auch nicht bekehrt werden. Alle anderen runzeln angesichts wider sämtliche Gesetze der Physik durch die Luft, über Hausdächer oder zwischen Baumwipfeln hin und her fliegender Kämpfer zunächst die Stirn, erkennen aber bereits nach kurzer Eingewöhnungsphase schnell die Qualität der unglaublichen Akrobatik und märchenhaften Geschehnisse auf der Leinwand.

Außerdem: Natürlich sind die Kämpfe zentrale und wichtige Bestandteile des Filmes, aber bei weitem nicht alles, was dieses Werk ausmacht. Im Vordergrund stehen hier allgegenwärtige und zeitlose Themen, die die Menschen überall auf der Welt bewegen, ganz gleich in welcher Himmelsrichtung. Trotzdem: Das zentrale Duell in schwindelerregender Höhe der Baumkronen zwischen dem erfahrenen, ausgeglichenen Meister Mu Bai und der jungen, heißblütigen Jen ist von so atemberaubender Eleganz und Schönheit, dass man wohl noch lange auf einen Film warten muss, der Ähnliches auf die Netzhäute dieser Welt wird zaubern können. Sämtliche Kampfsequenzen wurden übrigens von Yuen Wo Ping choreographiert, welcher bereits für die Fights in Matrix verantwortlich war, ein weiteres Zeichen für das zumindest filmische Zusammenrücken von Ost und West.
»Tiger & Dragon« ist also endlich mal ein besonderer Kung-Fu-Film? Wie gesagt: Oh, ja!

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